Plitvicer Seen
Startseite - Geologie
Plitvicer Seen

Geologie

Ein Wunder aus Wasser und Kalk

Die einzigartige Landschaft der Plitvicer Seen ist das Ergebnis eines perfekten Zusammenspiels aus Wasser, Stein, Vegetation und Klima. Grundlage sind die Eigenheiten und Prozesse eines Karstgebiets. Dieser Begriff beschreibt eine Landschaft, die typischerweise aus sprödem, löchrigem Gestein besteht - meist Kalkstein oder Dolomit. Das Karstwasser löst durch seinen hohen Kohlendioxid-Anteil wie Kohlensäure im Vorbeifließen den Kalk aus dem Gestein heraus. Dieser Prozess unterstützt auf zwei Wegen das Entstehen der Seenlandschaft.

Zum einen nagt sich das Wasser immer weiter ins Gestein. Seichte Becken bilden sich und wachsen zu Seen, teilweise spült das Wasser auch Höhlen und Tunnel aus, in den unterirdische Flussläufe entstehen. Im Falle der Plitvicer Seen stürzten irgendwann die Decken dieser Höhlen ein - das Ergebnis dieses Prozesses sind die canyonartigen, tiefergelegenen Unteren Seen, die einen Kalksteingrund haben, während der Boden der Oberen Seen aus Dolomit besteht.

Zum anderen reichert sich durch das Auswaschen das Wasser immer weiter mit Kalk an, bis es übersättigt ist. Unter bestimmten Voraussetzungen lagert es diesen Kalk wieder ab und bildet neues Gestein, den Kalktuff oder Travertin. So entstehen Schicht für Schicht Barrieren, die das Wasser erst verlangsamen und schließlich stauen, bis Seen entstehen. Das kann in erstaunlicher Geschwindigkeit geschehen: Ein jährliches Höhenwachstum von bis zu 13,5 Millimeter ist möglich, im See Kozjak wurde eine konstante Ablagerung von jährlich 0,8 Millimeter über die letzten 3000 Jahre gemessen. Auf diese Weise ist die Landschaft im stetigen Wandel. Alte Barrieren und Ufer verschwinden, neue entstehen, immer wieder verändern sich Flussläufe und Uferlinien.

In den Plitvicer Seen spielen Moose und Wasserpflanzen eine entscheidende Rolle bei der Entstehung neuer Barrieren. Sie verlangsamen und verwirbeln den Fluss des Wassers und bilden die Unterlage für die Ablagerungen. Dabei wirken auch Bakterien- und Algenfilme auf den Pflanzen mit, an denen die Kalkkristalle haften bleiben. Durch die schrittweise Überlagerung mit Kalkschichten werden die Wasserpflanzen Teil der Barrieren und versteinern schließlich.

Damit es zur Bildung neuer Barrieren und Kaskaden kommt, müssen viele Faktoren stimmen. Neben der Übersättigung des Wassers mit Kalk und der Existenz natürlicher Schwellen als Basis bedarf es sehr reinen Wassers mit einem geringen Anteil organischer Substanzen. Zudem funktionieren die Prozesse erst ab einer Temperatur von 14 °C - im Sommer wird Travertin deutlich schneller gebildet als im Winter. Dieses Zusammenspiel verschiedener Voraussetzungen ist die Ursache dafür, dass das System der Plitvicer Seen sehr sensibel auf externe Einflüsse reagiert. Der Tourismus hat beispielsweise zu einer erhöhten Konzentration organischer Stoffe in den Gewässern geführt, der die Neubildung von Barrieren hemmt. Dem wirkt die Nationalparkverwaltung seit einigen Jahren entgegen, indem zu starker Bewuchs an den Barrieren entfernt wird.